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SUMMARY:Jahrestagung 2019 - Evidenz in den Wissenschaften
DESCRIPTION:Evidenz in den Wissenschaften\nEVIDENZ IN DEN WISSENSCHAFTEN\n\
 n„Evidenz“ ist seit der Antike in Medizin\, Wissenschaft und Technik e
 ine selbstverständliche Qualitätskategorie. Doch ihre Erzeugung und ihr 
 Gebrauch sind komplexe Vorgänge\, die erst noch im Einzelnen genau versta
 nden werden müssen. Denn Evidenz ist ein mehrdeutiger Grund- und Referenz
 begriff. Als Anschauung\, Zeugnis\, Beweis\, als wahrheitsträchtige Erken
 ntnis\, überzeugende Tatsache\, Gewissheit oder persuasives Verfahren des
  „Vor-Augen-Stellens“ lässt sich Evidenz nur kontextspezifisch bestim
 men. In der flexiblen Semantik des Wortes Evidenz liegt sein epistemisches
  und argumentatives Potential.\nSpricht man von wissenschaftlicher Evidenz
 \, müssen sowohl die Methoden der Evidenzerzeugung (empirische Beobachtun
 g\, systematischer Vergleich\, Experiment\, Studie etc.) als auch die Modi
  ihrer konkreten Darstellung (Bilder\, Zahlen\, Statistiken\, Graphiken\, 
 Narrative etc.) mitbedacht werden. So bewegen sich die Diskurse und Prakti
 ken der wissenschaftlichen Beweisführung und -darlegung in einem Spannung
 sfeld zwischen konkretem „Sich-Zeigen“ und subjektiver Vorführung\, D
 emonstration und Anerkennung.\n\nTheorie und Praxis – von der Antike bis
  heute\nMit ihrer in der antiken Rhetorik und Philosophie verankerten Trad
 ition ist die „evidentia“ zum Kernbegriff der Wissenschaften avanciert
 . Die Prozesse von Aufstieg\, Anerkennung\, Standardisierung und Regulieru
 ng wissenschaftlicher Evidenz mit den damit verknüpften Erzeugungspraktik
 en kennzeichnen die Entwicklung und Institutionalisierung der wissenschaft
 lichen Disziplinen seit dem 17. Jahrhundert. Die Etablierung der experimen
 tell-empirischen Forschungsmethode in der Frühen Neuzeit markiert dabei d
 ie Herausbildung einer Evidenzkultur.\nSeit dem 19. und 20. Jahrhundert wi
 rd „evidenzbasierter“ Erkenntnisgewinn als grundlegend für wissenscha
 ftliche Qualität bezeichnet. Durch die Entwicklung von Methoden der Wisse
 nsgenerierung\, die über Phänomene wie Technisierung\, Automatisierung b
 is hin zur Digitalisierung\, Partizipation und Kooperation eng miteinander
  verbunden sind\, konnten Evidenzpraktiken standardisiert\, konsolidiert u
 nd reguliert werden. Ein markanter Wendepunkt in der gesellschaftlichen Be
 deutung von wissenschaftlicher Evidenz ereignete sich Mitte der 1990er Jah
 re\, als die „Evidenzbasierte Medizin“\, kurz EBM\, zur besten Methode
  für die Durchführung klinischer Forschung und die Erarbeitung von Leitl
 inien erklärt wurde. Inzwischen ringt die Medizin damit\, ebendiese Metho
 dik zu hinterfragen\, da sie mitunter enge Grenzen und erhebliche Widerspr
 üche aufweist.\nIn demokratischen\, säkularisierten und pluralistisch au
 sgerichteten Systemen wird wissenschaftliche Evidenz zur Begründung und R
 echtfertigung von Entscheidungen auf individueller\, gesellschaftlicher un
 d politischer Ebene gebraucht und eingesetzt. Denn: Wie in der Politik gut
  begründete Entscheidungen auf Expertenmeinungen und wissenschaftlichen E
 rgebnissen basieren sollen\, so soll im individuellen Fall die Wahl z. B. 
 einer therapeutischen Option informiert und evidenzbasiert stattfinden.\n\
 nDrängende Fragen vor dem Hintergrund der heutigen Evidenzkrise\nErzeugun
 g\, Anerkennung\, Bekanntgabe und Gebrauch von Evidenz erfordern eine kont
 extsensible Analyse. Ebenso ist nach dem Wandel der Bedeutung\, der Funkti
 on und des Gebrauchs von Evidenz über die Jahrhunderte zu fragen. Die Fra
 ge\, die sich ganz aktuell stellt\, ist\, ob statistische Auswertungen sow
 ie Norm- und Grenzwerte korrekt\, wertneutral und valide sind. Eine „Zah
 lenethik“\, die auf Kriterien einer „guten“\, zuverlässigen und wah
 rhaftigen Aufbereitung von Daten und Zahlen und deren Darstellung aufbaut\
 , könnte und sollte die moralische Verantwortung im Umgang mit Zahlen erh
 öhen.\nWir erleben gegenwärtig eine Evidenzkrise\, die mit der Fragilisi
 erung der Wissensgesellschaft einhergeht. Mit den steigenden Legitimations
 zwängen der Wissenschaft in Anbetracht möglicher Risiken\, unbeherrschba
 rer Zukunftsszenarien sowie der damit verbundenen Unsicherheit und dem Nic
 htwissen wird Evidenz umso zwingender beansprucht\, behauptet und hinterfr
 agt. Angesichts der Komplexität\, die die Vorgänge von Erzeugung\, Anerk
 ennung\, Bekanntgabe und Gebrauch von Evidenz kennzeichnen\, sind die hist
 orisch und epistemologisch arbeitenden Disziplinen umso dringender als jen
 e Bereiche gefragt\, die geisteswissenschaftliche Forschung in Medizin\, N
 aturwissenschaften und Technik vorantreiben.\n\nIm Rahmen unserer Jahresta
 gung soll der Umgang mit Evidenz in den verschiedenen disziplinären Berei
 chen diachron und synchron ausgelotet werden. Uns interessiert\, ob z. B. 
 in den Wissenschaften unterschiedlicher Umgang mit Evidenz gepflegt\, trad
 iert und praktiziert wird. Kann man von „Evidenzkulturen“ in den Wisse
 nschaften sprechen? Ist die in der Medizin in den letzten Jahren vieldisku
 tierte Evidenzkrise auch in anderen Disziplinen zu spüren?\nDer interdisz
 iplinäre und intergenerationelle Austausch im Rahmen der Jahrestagung der
  GWMT verspricht\, dem Themenkomplex der „Evidenz in den Wissenschaften\
 , der Medizin und der Technik“ in seiner kulturellen\, ethischen und epi
 stemischen Tragweite gerecht zu werden.\n\nHier können Sie den vollständ
 igen Call for Papers herunterladen. Die deadline zur Einreichung ist ber
 eits verstrichen\, Anmeldungen zur Tagung sind willkommen\, alle Informati
 onen dazu folgen in Kürze!
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